Weihnachtsbäume

Weihnachtsbaumverkauf Luisenplatz, Wiesbaden Dezember 2018

Ein Interview mit einem Weihnachtsbaum-Verkäufer auf dem Luisenplatz in Wiesbaden:

Was macht eigentlich einen guten Weihnachtsbaum aus, wie muss er sein, dass die Leute ihn mögen?

Das ist sehr unterschiedlich, also manche wollen Ihn komplett symmetrisch, obwohl fast immer eine Seite an der Wand oder in der Ecke steht und man sie eh nicht sieht. Andere brauchen, weil sie nicht so viel Platz haben, einen nicht so ausladenden schmalen Baum. Wiederum andere achten drauf, dass du genug Kerzen drauf stellen kannst, dass du genug Platz hast um was hinzuhängen, also ein weiten Abstand von den Zweigen. Es ist völlig unterschiedlich. Auf jeden Fall wird immer das gerade nachgefragt, was ich nicht da habe. Wenn ich ganz viele breite Bäume ausgepackt habe, dann gucken Sie nach einem schmalen und umgekehrt.

Welche Baumart  ist der beliebteste Weihnachtsbaum?

Inzwischen ist die Nordmanntanne die beliebteste Art von allen Weihnachtsbäumen. Früher gab es Fichten, das war so der normale Tannenbaum, aber inzwischen sind die Nordmanntannen hier die beliebtesten. Die sind hier nicht heimisch und werden in Baumschulen angepflanzt.
Ursprünglich kommen die aus dem Kaukasus. Von dort werden die Samen geholt und mit dem Samen werden hier die Schonungen angelegt. Die Leute mögen die halt, weil die nicht piksen und länger die Nadeln halten.

Welche Höhe wird am meisten nachgefragt?

So 2,20 m, aber gerade hier in Wiesbaden mit den vielen Altbauten, also wir haben auch 50 große Bäume verkauft mit so 2,50 – 3,00 m und die ganz großen sind auch weg.

Hast du eigentlich Stammkunden, die hier regelmäßig kaufen?    

Ja wer hier im Umkreis wohnt, kommt zum größten Teil zu uns, also wer sich nicht gerade seinen Baum im Baumarkt oder sonst woher holt.  Die Meisten  kommen jedes Jahr wieder und freuen sich über die „tollen und frischen Bäume“.  Es ist ein ganz angenehmes Verkaufen mit den Leuten, man kennt sich und grüßt sich dann jeden Morgen, wenn die Leute zur Arbeit gehen.  Da kommt man sich schon ein bisschen heimisch vor. Vor allem auch weil ich ja hier auf dem Luisenplatz auch selbst aufgewachsen bin, ist das für mich noch ein anderes Gefühl.
Luisenplatz 6, im zweiten Stock habe ich gewohnt und hier habe ich Fahrradfahren gelernt. Der Luisenplatz sah damals allerdings noch ein bisschen anderes aus. Er fungierte noch als Parkplatz. 

Wir haben einen Stammkunden, ich kenne ihn jetzt das dritte Jahr. Wir nennen ihn nur Professor Dr. Dr., da legt er sehr viel Wert drauf. Beim ersten Mal habe ich es gewagt, nur den Nachnamen an das Etikett für die Reservierung zu schreiben, da sagte er zu mir:  „das stimmt nicht!“ da käme Professor Dr. Dr. davor. So einer von der Sorte. Er kauft bei uns  immer eine Nordmanntanne und zwar zu dem Behufe,  dass er sie zu seinem Chalet in die Schweiz fährt – denn in der Schweiz gibt es offensichtlich keine Nordmanntannen – und sie dort aufstellt. Er kommt hier mit einem von AMG getunten G-Modell  vorgefahren, lädt sich seinen Baum aufs Dach und fährt ihn dann in die Schweiz.
Das finde ich immer sehr witzig –  auf was für Ideen die Kunden kommen:
Weil es den bestimmten Baum in der Schweiz nicht gibt, kutschiert er ihn siebenhundert Kilometer weit dort runter…

Werden die Weihnachtsbäume  von Paaren ausgesucht, oder sind die Leute eher solo unterwegs?
Meistens traditionelle Rollenverteilung: Er sagt: „ach such du aus mir ist das egal.“ Dann gibt es die schnell Entschlossenen, aber es gibt auch Leute die hier eine Stunde verbringen. Das ist gerade am Anfang der Saison so, wenn die Auswahl an Bäumen noch groß ist. Meistens sind die Männer da die unkomplizierteren und zügigeren, aber das gibt es auch andersrum.

Vor drei Tagen da kam ein Ehepaar hier rein die –  wie sollte es anderes sein –  einen Weihnachtsbaum kaufen wollten. Ich würde sie so auf Mitte vierzig schätzen. Sie hatten sich dann jeweils einen anderen Baum ausgeguckt. Der eine war ein bisschen dichter und größer und der andere war ein bisschen kleiner. Sie gerieten über den passenden Baum so in Streit, dass sie raus ist:
 „Ich will keinen Weihnachtsbaum mehr!“ und er stand dann völlig belämmert da.  

Das mit der  Rollenverteilung ist schon manchmal lustig. Wir haben ein schwules Stammpärchen, er hat eine Boutique hier in Wiesbaden und kommt immer völlig aufgedonnert mit hochhackigen Stiefeln und mit einer Gucci oder Prada Tasche  – geschminkt – so richtig schön hergerichtet. Sein Partner ist im äußeren Auftreten eher normal, er trägt immer nur irgend ein grelles Accessoire wie z.B. einen rosa Schal oder eine pink farbene Mütze, sowas in der Richtung. Die haben genau die gleiche Rollenverteilung wie Mann und Frau, der mit dem Schal fragt dann auch immer: „Gefällt er dir auch Schatzi?“ und Schatzi sagt dann: „Nee der ist aber nicht so richtig…“ und zickt dann noch ein bisschen rum, das sind ganz witzige Leute.

Ich finde einen Teil der Atmosphäre macht aus, dass die Leute relativ relaxed und entspannt hierher kommen, die sind nicht ganz so im Stress wie in der Innenstadt bei den Weihnachtseinkäufen.  Das Weihnachtsbaumkaufen ist in der Regel ein entspanntes Kapitel in der Einkaufsorgie zu Weihnachten.

Spielt das Wetter für den Weihnachtsbaum Verkauf eine Rolle?

Regen ist blöde, bei Regen kommen wenig Leute, ist aber auch blöd für mich, weil die Bäume dann einen guten Teil mehr wiegen, sie sind schlechter einzupacken und die Leute haben weniger Lust Bäume zu kaufen. Am allerbesten vom Wetter her ist Sonnenschein mit Schnee, da kommt bei der Kundschaft so die richtige Weihnachtsstimmung auf. 

Warum sind die Bäume gekennzeichnet?

Für uns spielt das keine Rolle. Die Bäume werden in der Schonung gekennzeichnet. In den Schonungen wird nicht Tabula Rasa betrieben, sondern es werden nur einzelne Bäume rausgenommen. Die markiert man halt mit Fähnchen und die im Hunsrück verwenden anders  farbige Fähnchen als die aus dem Westerwald.

Was macht ihr mit den Bäumen die übrig bleiben?

 Die werden geschreddert, aber letztes Jahr haben wir es so hingekriegt, dass wir selbst unseren letzten Baum, nach Schluss noch verkauft haben – wir sind also mit Null rausgegangen.

Die Menge schätzt du aus dem Vorjahr, der Weihnachtbaumverkauf ist relativ stabil, also da hat Wetter mehr Einfluss. Also wenn so eine verregnete Zeit vor Weihnachten ist, dann werden einfach weniger verkauft.
Was ich dieses Jahr öfter gehört habe ist:
ich bin in eine kleinere Wohnung umgezogen und ich habe nicht mehr den Platz wie früher.

Vielen Dank Matthias!

Interview und Bilder sind aus 2018.

Euch allen frohe Feiertage!

Weihnachtsbäume, Wiesbaden Luisenplatz, Dezember 2018

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