Die Brautfichte

die Brautfichte
Die Brautfichte, am Rossert, Taunus
Kelkheim, am Rossert, Taunus, Januar 2020

„Dieser Baum hier, das ist die Brautfichte. Ihr geschätztes Alter beträgt circa 350 Jahre. Ich denke mal das kommt hin, wenn sie nicht sogar noch älter ist. Auf jeden Fall gehört sie zu den ältesten Fichten Hessens wenn nicht gar Deutschlands.

Fichten werden normalerweise so bis zu 180 Jahre alt. Am Feldberg stehen Fichten – auch wenn Sie jetzt  am Absterben sind – die sind so 150 – 160 Jahre alt.
Die Fichte war immer der klassische Industriebaum der Forstwirtschaft und sie ist es nach wie vor. Sie wird auch „das Brot“ der Forstwirtschaft genannt.

Die Fichten, wie wir sie jetzt in der Forstwirtschaft pflanzen, haben in der Regel eine Umtriebszeit von 100 Jahren.  Es gibt heutzutage kaum noch Bedarf für so dickes Stammholz. In den heutigen Fichtenplantagen haben die Bäume nach 60 – 80 Jahren die maximale Stärke für die Sägewerke erreicht und dann wird der Prozessor rein gejagt…

Es ist schwer zu sagen warum die Brautfichte so alt wurde. Früher sah es hier bestimmt mal ganz anders aus. Man kann sich das heute kaum vorstellen, aber früher also im 17. Jahrhundert als der Baum zu wachsen begann, da herrschte in Deutschland schon die sogenannte Knappheit. Große Gebiete waren damals vollkommen entwaldet. Holz war ein begehrter Rohstoff, den man für fast alles brauchte. Man hatte die Schweine und Kühe in den Wald getrieben und die Streu – also das Laub – aus dem Wald geholt um die Ställe einzustreuen. Im Taunus gab es Köhlerfeuer und es wurde Pottasche für die Glashütten, die es auch hier gab, gewonnen. Letztendlich wurde der Wald total zurück gedrängt.

Ich vermute, dass dieses Tal hier und auch das umliegende Gebiet überhaupt nicht mehr bewaldet war, sondern dass es hier große Wiesen und Weideflächen gab. Vielleicht war die Brautfichte eine Hutefichte?! Hutefichten waren Bäume, die man für das Vieh hatte stehen lassen. Sie hatten so in zwei bis drei Meter Höhe ausladende Äste, damit das Viehzeug sich hat darunter stellen können. Ich vermute, dass deshalb dieser Baum nicht gefällt wurde. Woher die Fichte ihren Namen hat, kann ich leider nicht sagen.“

vielen Dank Fabian!

Die Brautfichte am Rossert, Kelkheim
Die Brautfichte

Comments (2)

  1. Schön geschrieben und erklärt. Da kriegt man richtig Lust, einmal einen Ausflug zu dem Baum zu machen.

    • Gute Idee, das machen wir wenn die Coroanakrise überwunden ist. Ich muss die Brautfichte nur wiederfinden 😉

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