Halloween Special: eine kleine Geistergeschichte!

waldgeist#6

6 Waldgeister, Rheingau, Oktober 2016

Der Herbst: High Season für Landschaftsfotografen

Herbstlicht – irres Licht – vergiss mein nicht!

– war fotografieren, ist dann doch recht spät geworden, der Mond schickt schon sein wisperndes Licht  durch das Blätterdach des Waldes.
„Folge mir flüsterst Du Mondlicht…“
Keine Zeit! Meine Füße tragen mich auf einem schmalen Pfad hinab eilends dem großen Fluss entgegen.

All Hallows‘ Eve, Halloween, Reformationstag, bei all den aufregenden Geistern muss der Herr schon eine sehr feste und vor allem von innen verschlossene Burg haben, damit nicht alle abhauen……….

„Geisterfotografie“ ein spannendes Thema. Spätestens mit der Entdeckung der Röntgenstrahlung wurde immer wieder versucht, mit dem „unschuldigen Auge“  der Fotografie das vermeintlich Unsichtbare sichtbar zu machen, Alice through the looking glass, die Wahrheit im Wahrnehmen und eben darum auch immer wieder magisch…..

Wie zum Beispiel die Gedankenfotografie: so fotografierte Hippolyte Baraduc im ausgehenden 19. Jahrhundert Gedanken und Emotionen, in dem er eine Fotoplatte in der Nähe von Kopf oder auch der Hände belichtete. Die darauf zu erkennenden Schlieren und Verwirbelungen interpretierte er ganz  der „Experte“ als Gemütszustände. Desto weniger auf den Aufnahmen zu erkennen war, desto glaubwürdiger, authentischer wirkten sie auf seine Umgebung und umso mehr war man geneigt seine große fotografische und eben auch interpretatorische Leistung anzuerkennen.

So macht das die Wissenschaft bis heute. Bis in die Gegenwart nutzt sie unscharfe, verwaschene Fotos (Satelliten –Weltraumfotografie, Aufnahmen mit dem Elektronenmikroskop, die Bilder die das CERN so gerne veröffentlicht), wenn sie authentisch sein will und zeigen will, wo sozusagen die Front der menschlichen Erkenntnis verläuft.
Und natürlich auch wer da mit breiter Brust steht!

Der letzte klassische Gedankenfotograf war wohl Ted Serios, der behauptete, er könne Bilder, die er sich in seinem Kopf vorstellt, auf Polaroids fixieren. Die Bilder zeigten überraschender Weise oft einfach sein unscharf wiedergegebenes Gesicht, oder waren einfach weiß oder auch schwarz, aber manchmal landete er auch einen Treffer….

Aber das waren die 60ziger: cold war, body snatchers, und natürlich UFOs. Wer fotografiert 2016 noch UFOs? eigentlich schade drum…

Heute ist nicht mehr der „Kriegszustand“ sondern der „ Istzustand“ der Normalzustand.
„Iss so!“ würde mein Sohn sagen……

Das wurde spätestens in den 90zigern mit der Lomografischen Gesellschaft und ihren zehn goldenen Regeln offensichtlich, also noch vor der allumfassenden Digitalisierung der Bildproduktion und -distribution.

Die Verleugnung von Komposition, das Foto gibt es nur noch im Plural, die Loslösung der Bilder von jeglicher Legitimation, eher Filmstil als klassisches Einzelbild, das ist nun Authentizität  – vielleicht der letzte Anspruch dem ein Foto noch genügen muss.

Keine Sehnsucht mehr nach Ausnahmezustand sondern die Ikonographie des „guten Lebens“, die Bildsprache der Gewinner!

Irgendwie auch spooky, ganz so wie der mondhelle Wald der mich immer noch umgibt………

Ein stechender Schmerz in meinem Kopf, ich muss gefallen sein, kriege die Augen nicht auf, kann nicht aufstehen und höre mit zunehmendem Entsetzen Stimmen aus der Dunkelheit.

„Na ist das kleine Träumerle hingefallen?“ „ Hat es sich etwa weh getan?“, „Nun lass ihn aber mal in Ruhe der sieht auch so schon mitgenommen genug aus…“ „Schould we possess his mind“? „Nee, an Halloween bin ich für sowas zu faul!  – vielleicht ein anderes Mal“… „Oh, schaut mal, er hat eine Kamera dabei“….

Ich sitze im Zug – wie und warum auch immer, habe ein Beule am Kopf, Äste im Haar und eine zerrissene Hose an. Ich muss wüst aussehen, denn alle meine Mitreisenden halten gebührenden Abstand von mir und weichen meinen wilden unsteten Blicken aus…..

Als ich halbwegs wieder hergestellt zu Hause die Chipkarte mit meinen Aufnahmen von diesem Tag auswerte, habe ich diese hier erstmalig veröffentlichten Fotos gefunden. Ich habe die Bilder sicher nicht selbst aufgenommen, das wüsste ich nämlich!

So ist taumelland sehr stolz drauf die ersten Selfies von Waldgeistern veröffentlichen zu können und diese sind dazu auch noch scharf abgelichtet.  Eine Premiere in der Geschichte der Geisterfotografie!

Is all that we see or seem
But a dream within a dream?

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